Drehbuchautor Matthias Dinter
Dienstag, 28. Oktober 2008
„Die Zwerge“, dieser fantastische Roman von Markus Heitz, ist für mich als Autor ein wahres Traumprojekt. Zum ersten Mal kann ich in einem Film die reale Welt verlassen und ohne Grenzen eine Geschichte erarbeiten. Die wichtigste der Grundlagen der schöpferischen Drehbuch-Arbeit, die Phantasie, übernimmt die Hauptrolle. Gleichzeitig kann ich die in mittlerweile 15 Jahren filmischen Schreibens gelernte Erfahrung über Struktur und Storytelling als handwerkliches Mittel anwenden, um eine Fusion zwischen klassischem Erzählen und der atemberaubenden Bilderwelt von Markus Heitz zu schaffen. Eine Welt, in der zwar auch Steine nach unten fallen, aber dennoch Kreaturen wie Orks und Elben oder Magie und Zauberei existieren.
Fantasy-Projekte sind auf dem europäischen Markt selten – umso erfreuter bin ich, an einem Mammutfilm wie „Die Zwerge” so grundlegend teilhaben zu können. Bei der engen Zusammenarbeit mit Hofmann&Voges Entertainment wird stark darauf geachtet, die Romanvorlage nicht als bloßen Steinbruch zu betrachten, sondern so viel als möglich in den Film zu übernehmen. Gerade Fanlieblinge wie Boïndil & Boëndal oder Sequenzen wie die Minenfahrt finden auch weiterhin ihren Platz in der „bewegten Version”. Der Roman verfügt über herrlich komplexe und amüsante Figuren, die so noch in keinem Fantasy-Film beschrieben wurden und die Liebe zu diesen Charakteren zählt für mich mehr, als die schiere Menge an abgeschlagenen Ork-Köpfen.
Besonders reizvoll bei der Arbeit ist für mich, dass der Held der Geschichte ein Underdog ist, ein Wanderer zwischen den Welten der Menschen und der Zwerge. Bei einem menschlichen Helden würde man schnell zu konventionellen Erzählprozessen gedrängt werden – bei einem auf diese Weise umpositionierten Protagonisten kann man herkömmliche Situationen und Plots immer wieder umdrehen oder differenziert aufzäumen.
So ist die Arbeit an „Die Zwerge” eine wahre Freude für mich. Seit zwei Jahren erdenken und bearbeiten wir inzwischen den Stoff – und ich habe mich bisher keine Minute geärgert oder gelangweilt. Im Gegenteil – ich kann es kaum erwarten, den fertigen Film betrachten zu können.